International Conference

OUR CLIMATE2014

Regional perspectives on a global challenge

OUR FUTURE

Studentisches Medienprojekt zur Internationalen REKLIM Konferenz

6 - 9  Oktober 2014  Berlin

Interview: Anatolii Anisimov

Anatolii Anisimov / © Nataliya RiedelKönnen Sie uns bitte Ihre Forschungen erläutern?

Unsere Untersuchung begann vor circa fünf oder sechs Jahren in der „Marine Hydrophysical Institute, National Akademie“ der Ukraine. Diese Forschung war erforderlich, um das derzeitige Klima in unseren Forschungsgebieten, der Ukraine und der Schwarzmeerregion, zu erkunden. Die Forscher haben in den einzelnen Regionen Messungen durchgeführt, um den klimatischen Unterschied sowie die Veränderungen im 21. Jahrhundert festzustellen.

 

Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Klimakonferenz REKLIM in Berlin zu besuchen?

Es ist eine sehr gute Möglichkeit, die eigenen Forschungsziele vor so vielen Kolleginnen und Kollegen zu präsentieren und etwas über deren Forschungsergebnisse zu erfahren.

 

Denken Sie, dass sich die Einstellung der Menschen zum Thema Klima ändern wird?

Ich glaube, dass noch sehr viel Arbeit vor uns liegt, den Menschen bewusst zu machen, dass wir unser Leben auf dem Planeten verbessern müssen.
In Deutschland oder anderen klimabewussten Staaten wurde schon viel Aufklärungsarbeit  im Vergleich zu Ländern wie der Ukraine geleistet. Ich hoffe sehr, dass die Klimaforschung in Zukunft in der Ukraine eine wichtigere Rolle einnimmt.

Anatolii Anisimov ist Nachwuchswissenschaftler am Marine Hydrophysical Institute der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Sevastopol.

Forschung – Männerdomäne von gestern?

Laura Niederdrenk hat eigentlich Mathematik studiert. Hier auf der REKLIM-Konferenz referiert sie aber zu einem Thema, das man erst mal nicht unbedingt mit Mathe in Verbindung bringen würde: Klima. Nachdem die gestrige erste Session zum Thema „Regional Climate System Modelling“ aber klargemacht hat, dass eben diese Klimamodelle wie mathematische Formeln funktionieren, macht ihr Weg Sinn.

Lea / © Nataliya Riedel

Isabel Kraut während der Vorstellung der bisherigen Forschungsergebnisse zu ihrer Doktorarbeit. / © Nataliya Riedel

In dem Konferenz-Vortrag präsentiert sie die Ergebnisse aus einer Studie im Rahmen ihrer Doktorarbeit. Es geht um ein Projekt, bei dem durch die Kombination der Klimamodelle MPIOM, ein sogenanntes „ocean- sea ice model“ und dem Modell REMO, ein „regional atmosphere model“ das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen arktischen Klimakomponenten und deren Veränderlichkeit erforscht werden.

Sie ist eine von beeindruckend vielen weiblichen, jungen Referenten. Laura Niederdrenk ist 32 Jahre jung, erwartet Nachwuchs und vermittelt mit ihren Mitstreiterinnen den Eindruck, dass dort eine neue Generation junger Forscherinnen auf dem Weg ist, das Klima der Welt zu erforschen und vielleicht sogar zu verändern. Eine ebenfalls junge und resolute Teilnehmerin ist die 27-Jährige Isabel Kraut. Sie studiert Meteorologie und stellt auf der Konferenz die bisherigen Ergebnisse ihrer Doktorarbeit vor. Thema ihres Vortrags ist die Frage, wie Aerosole auf das Wetter einwirken. Aerosole sind Gas-Schwebeteilchen-Gemische, wie zum Beispiel der Wasserdampf des Meeres, in welchem sich Salzpartikel befinden. Als Forschungsobjekt verwendete sie den Orkan „Rolf“, der im November 2011 in Frankreich und Italien besonders hohen Niederschlag auslöste. Die Art dieses Orkans wird „Medicane“ genannt, da er am Ende seiner Laufbahn das offene Meer erreicht. Isabel Kraut simulierte seinen Fortlauf durch das Modell COSMO-ART und untersuchte, ob das Meersalz in der Luft (also ein Aerosol) den „Medicane“ beeinflusste. Das Ergebnis war eindeutig: Der Einfluss ist groß. Die 27-Jährige ist die Erste, die einen solchen Versuch durchgeführt hat und ihre Ergebnisse sind die ersten zu diesem Thema. Noch ist sie nicht fertig mit allen Studien und Forschungen zu diesem Thema, doch wenn sie es ist, wird sie eine der Frauen sein, die mit ihren Fähigkeiten helfen, unser Klima besser zu verstehen.


Lesetipp: Tong-Jin Smith – Frauen können Technik

Poster-Sessions, Tag 1

Impressionen der Poster-Sessions vom ersten Tag der REKLIM-Konferenz zu folgenden Themen:

  • Regional climate system modelling
  • Sea level changes from global to regional and local scales
  • Arctic Change
  • The land surface in the climate system

Am ersten Tag der REKLIM-Konferenz wurden verschiedene Themenschwerpunkte aus den Bereichen Klimamodellierung, Meeresspiegeländerungen, Veränderungen in der Arktis und über den Einfluss der Landoberfächen im Klimasystem dargestellt. Die Journalismusstudenten der DEKRA Hochschule waren dabei und haben Impressionen von den Poster-Sessions eingefangen.


Team: Sarah Langhoff, Jennifer Quidilnaco, Thomas Rohatzsch


Gemafreie Musik: Cayzland-Music.de

REKLIM Konferenz Logo

Klimamodellierung

Klimatische Veränderungen, die über einen bestimmten Zeitraum in einer bestimmten Region auftreten werden in Klimamodellen dargestellt. Sie sind eine mathematische Darstellung physikalischer, biologischer und chemischer Grundlagen in numerischen Werten. Das heißt eine Darstellung klimatischer Veränderungen, wie Eisdicke, Temperaturen oder Regenmengen in eingegrenzten Zeiträumen wird durch ein Klimamodell möglich.

Dr. Ha Hagemann / © Nataliya Riedel

Dr. Ha Hagemann während ihres Vortrags auf der REKLIM Konferenz 2014 / © Nataliya Riedel

Nötig ist dies vor allem, um Veränderungsprognosen- und hypothesen aufzustellen und weitere Veränderungen in den Teilbereichen vorauszusehen. Vor allem sind sie nötig, um das Klima zu verstehen, in den Modellen zu simulieren und möglichen negativen Veränderungen entgegenzuwirken.

Wie in mathematischen Gleichungen können aus den Ergebnissen eines Modells Rückschlüsse auf das Ergebnis eines anderen Modells gezogen werden. Durch die Kombination zweier Ergebnisse erhält man neue Erkenntnisse. Zum Beispiel: a + b = c also b + a = c oder c – b = a.
Für die Klimaforschung bedeutet das zum Beispiel: Ein Klimamodell mit Ergebnissen aus der Atmosphärenforschung kombiniert mit den Ergebnissen aus der Meeresforschung kann neue Ergebnisse hervorbringen. Dadurch können Prognosen für zukünftige Veränderungen gestellt werden.

Die Forschung hat verschiedene Modelle und Simulationen hervorgebracht, die regelmäßig miteinander verglichen werden, um das genauste Ergebnis zu erhalten. Außerdem werden die Ergebnisse der Modelle mit bereits verzeichneten Werten aus der Vergangenheit ver- und abgeglichen um eine bestmögliche Annährung der hypothetischen Werte und denen der Realität zu erhalten.

Jennifer Brauch / © Nataliya Riedel

Jennifer Brauch während ihres Vortrags auf der REKLIM Konferenz 2014. / © Nataliya Riedel

In der Session zu diesem Thema stellten verschiedene Forscher die Ergebnisse ihrer Projekte unter Anwendung der Modelle vor. Die vorgestellten Projekte kombinierten unterschiedliche Modelle und verglichen die Übereinstimmungen. Schauplatz der Forschungen waren unter anderem Grönland, wo die Eisdicke untersucht wurde, Nord- und Ostsee und die Veränderung der Temperatur der Wasseroberfläche und das Monsunverhalten in Westafrika.
Die Forschung für die Verbesserung der Genauigkeit der Ergebnisse aus den Modellen geht stetig weiter.

Landwirtschaft als regionales Problem mit weitreichenden Konsequenzen

Das System der Landwirtschaft reicht bis zu den Anfängen der Menschheit zurück. Seit dem hat sich einiges verändert. Die Arbeit wurde durch Maschinen und Pflanzenschutzmittel leichter und die Ställe nehmen dem Bauern viel Arbeit schon eigenständig ab, so dass immer größere Mengen an Masttieren mit wenig Aufwand gehalten werden können. Die Konsequenz dieser Entwicklung endet aber nicht mit wirtschaftlichem Aufstieg.

In diesem Abschnitt wird euch erklärt, welchen Einfluss der moderne Ackerbau und vor allem die Massentierhaltung auf die regionalen Wasserhaushalte haben.

 

Der größte Wasserverbrauch findet in der Landwirtschaft statt

Rund 70% der Trinkwasservorräte werden weltweit für die Landwirtschaft genutzt. Davon geht ein Großteil in die Bewässerungsanlagen. Das hat oft einen hohen Wasserverlust zur Folge, da Beschädigungen an den Leitungen nicht sofort behoben werden oder die Systeme schlicht ineffizient sind.

 

Deutschland – ein einziger Mastbetrieb

Laut dem Umweltbundesamt werden 54% des deutschen Bodens zu Agrarflächen gewandelt. Agrarflächen sind nicht nur Felder, sondern auch Flächen, die für Ställe benötigt werden. Durch die staatliche Subventionierung von Massentierhaltung gibt es heute so viele Mastbetriebe wie noch nie: 2,6 Mio. Hektar werden ausschließlich für Schweine-, Rinder- und Hühnerzucht erschlossen. Dieses System bringt nicht nur tierschutzrechtliche Probleme mit sich. Denn wer so viele Tiere auf einmal hält, der muss sich auch deren Exkremente entledigen. Dies geschieht in Form von Gülle als Düngemittel auf den Feldern. Dadurch gelangt eine sehr überhöhte Menge an Nitraten in den Boden  – zusammen mit den Pestiziden, die noch zusätzlich auf den Feldern verteilt werden.

 

Grenzwert für Nitrate im Grundwasser überschritten

Das Grundwasser braucht bis zu 40 Jahre, um Nitrate und Pflanzenschutzmittel (PSM) aufzunehmen. Das bedeutet aber auch, dass wir heute Stoffe über das Trinkwasser aufnehmen, die mittlerweile aufgrund ihrer Schädlichkeit schon längst verboten sind.
Messungen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschlands (BUND) ergeben: bei einem Viertel der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird die 25mg Nitrat/1l Grundwasser um mehr als das doppelte überschritten. Auf ganz Deutschland gerechnet sind das 14% aller Messstellen, die mehr als 50mg Nitrat/1l Grundwasser hervorbringen. Das alles wäre aber gar nicht möglich, hätten sich alle Landwirte freiwillig an die Pestizid- und Nitratrichtlinie von 1991 gehalten. Grundwasserschonendere Alternativen wurden schon 1980 entwickelt.

Quelle: www.epsos.de

Der ewige Zyklus der Plastiktüte – Alles nur Müll?

Müll_01Jeder Mensch macht Müll. Der eine mehr, der andere weniger. Den einen kümmert’s, den anderen nicht. So produziert der deutsche Bürger im Durchschnitt fast eine halbe Tonne Abfall im Jahr.  Das macht über 400 Tonnen Müll für ganz Deutschland und entspricht in etwa dem Gewicht von 66 Millionen Elefanten.

Klappe zu, Müll weg – So einfach ist es in der Realität leider nicht. Mit der Abholung des Hausmülls durch die lokale Müllabfuhr beginnt in vielen Fällen eine regelrechte Odyssee durch die Zyklen der Natur.
Wohl praktisch erscheinen die temporären Lösungen von Müllverbrennungsanlagen und Mülldeponien. Dass die verunreinigten Abwasser und Dämpfe der Müllberge ihren Weg zurück in die Natur und somit in die Umwelt finden, bleibt allerdings nicht ohne Folgen. Die globale Verschmutzung ist verantwortlich für Klimaveränderungen, Bodenerosionen und übersäuerte Ozeane. So berührt das Müllproblem alle Bewohner der Erde – und führt unmittelbar zurück zu seinem Erzeuger.

Verbrennungsanlangen, Deponien und Elektromüll : Wohin mit dem Abfall?

Möglichkeiten, sich der Müllberge zu entledigen, gibt es viele.  Das Müllproblem gibt es nämlich nicht erst seit gestern. Im Gegenteil: Bereits nach dem 18. Jahrhundert mit seinen wütenden Pestepidemien kümmerte man sich um den stinkenden Abfall in den Straßen.

Die erste Müllverbrennungsanlage wurde schon 1862 eröffnet. Eine gute Lösung, wenn man es mit dem Umweltschutz nicht so genau nimmt: Forschungsergebnisse der Greenpeace aus dem Jahre 2001 verdeutlichen die enorme Umweltbelastung durch Treibhausgase und krebserzeugende Giftstoffe, die in die Atmosphäre dampfen. Auch Mülldeponien setzen dem Müllproblem kein wirkliches Ende. Moderne Deponien haben sich optimale Verdichtungsmethoden und den Schutz des Grundwassers zum Ziel gemacht. Trotzdem waren die Hälfte aller deutschen Mülldeponien 2005 noch dem alten System verschrieben: Schmutzige Abwässer und Giftstoffe der gesammelten Abfälle sickern dort munter in den Boden – und ab in die Umwelt.

Ein ernstes Problem stellt auch der Sondermüll dar: Smartphones, Computer und Handys werden meist nach kurzer Lebensdauer verschrottet. Zurück bleibt Elektromüll – giftige und synthetische Stoffe, die nicht nur die Natur, sondern auch den Menschen bedrohen. 100‘000 Tonnen Elektromüll hinterlässt unsere Gesellschaft. Dieser landet allerdings nicht auf den hiesigen Deponien, sondern wird nach Afrika abtransportiert: Dort graben kleine Kinder nach verwertbaren Resten und erleiden tödliche Krankheiten und Vergiftungen – und das alles durch unseren Müll.

Müll_02Der neue Umgang mit Ressourcen – Wundermittel Recycling?

Nach einer Lösung für das Müllproblem wird derzeit fieberhaft gesucht. Immer mehr Menschen überdenken ihr Konsumverhalten und schwören auf Recycling, Upcycling und vermeiden Abfall, wo es nur geht.
Schuld an dem übermäßigen Müll ist vor allem übermäßiger Konsum. Das macht die Umweltbelastung gerade in den modernen Gesellschaften umso schwerwiegender. Würden alle Kulturen so leben, wie wir es in Deutschland tun, bräuchten wir 2,5 Erden, um alle Menschen mit Ressourcen zu versorgen.

A propos Ressourcen: Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, an dem wir Erdlinge unser Jahresbudget an erneuerbaren Ressourcen verbraucht haben. 1987 war das der 19. Dezember. Unseren Earth Overshoot Day haben wir allerdings schon am 19. August „zelebrieren“ dürfen. Alle Ressourcen, die wir fortan verwenden, stehen uns laut Rechnung nicht zu. Die Erde hat keine Möglichkeit, sich zu erholen und neue Rohstoffe zu produzieren.

Verbesserungsvorschläge der katastrophalen Situation gibt es viele. Die Nutzung sekundärer Rohstoffe aus Resten, ökologische Verwertung von Abfällen und Recyclingmaßnahmen sind nur einige davon. Eine dauerhafte Veränderung entsteht allerdings in viel kleineren Räumen: Den Köpfen der Verbraucher. Nach dem Motto: Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit kann jeder Einzelne sein Konsumverhalten revolutionieren – und anfangen, die Erde zu retten.