International Conference

OUR CLIMATE2014

Regional perspectives on a global challenge

OUR FUTURE

Studentisches Medienprojekt zur Internationalen REKLIM Konferenz

6 - 9  Oktober 2014  Berlin

Versiegelung in der Siedlungs- und Verkehrsfläche

Die Bahn und das Schienennetz, das Automobil und die Straße, das Flugzeug und Schiff und ihre Häfen sind vielgenutzte Verkehrsmittel, die der Natur schaden. Deshalb wird geforscht und verbessert um die Natur so wenig wie möglich zu belasten. Vor allem der CO2-Verbrauch soll verringert  werden, weshalb zum Beispiel Biokraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt wird. Trotzdem sind alle Verkehrsmittel auf versiegelte Flächen angewiesen und schaden damit der Natur nach wie vor.

Diagramm Siedlgs- und Verkehrsfläche / Quelle: UBA

Diagramm Siedlgs- und Verkehrsfläche / Quelle: UBA

Nach der Land- und Forstwirtschaft ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV-Fläche) die drittgrößte Nutzungsart in Deutschland. 13%, also 47.971km² wurden auf diese Art Ende 2011 laut Umweltbundesamt (UBA) genutzt. Ende 1992 betrug die SuV-Fläche rund 40.305km². Die Fläche wächst permanent. „Dieser Zuwachs vollzog sich vor allem zu Lasten landwirtschaftlich genutzter Flächen“, so das UBA. Außerdem fand auch eine Umstellung der Flächenstatistik statt. Zwischen 2009 und 2012 betrug das Wachstum der SuV-Fläche 74ha täglich. Bis 2020 soll das Wachstum auf 30 ha pro Tag reduziert werden.

Ursachen und Folgen der gestiegenen Siedlungs-und Verkehrsfläche

Treiber des Siedlungsflächenwachstums sind die Platzbedürfnisse der privaten Haushalte und Gemeinden, die neue Wohn- und Gewerbegebiete bauen um Bewohner zu gewinnen. Auch die Wirtschaft mit ihren neugewonnenen Standorten ist eine treibende Kraft. Die Ausweitung der Verkehrsflächen beruht ebenso auf dem Faktor neue Wohn- und Gewerbegebiete zu erschließen.
Die Folgen aus steigender SuV-Fläche sind der wachsende Rohstoff- und Energiebedarf für den Bau und die Nutzung von Gebäuden und Infrastrukturen. Außerdem steigt die Versiegelung. Das UBA geht davon aus, dass Ende 2011 46% der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt sind. Das sind 6,2% Deutschlands und damit 0,9% mehr als 1992.Versiegelte Flächen gehören in der Statistik zur Siedlungs- und Verkehrsfläche. Versiegelung ist die bauliche Abdichtung des Bodens durch Deckbeläge, Baumaterial oder in den Boden eingebrachtes Fremdmaterial und die nutzungsbedingte Abdichtung.

Auswirkungen der Versiegelung von Böden 

anteil versiegelter fläche an suv-fläche

Anteil versiegelter Fläche an SuV-Fläche / Quelle: UBA

Durch immer mehr versiegelte Flächen geht der Lebensraum für Bodenorganismen, Tiere und Pflanzen verloren, womit die biologische Vielfalt sinkt. Wenn weniger Pflanzen existieren, verdunstet weniger Wasser und somit wird die Luft im Sommer weniger gekühlt und ein trockeneres Klima entsteht. Die vielen Asphaltflächen heizen sich auf, weshalb die Temperaturen in den Städten höher sind als auf dem Land. Dadurch kühlt die Temperatur in Städten nachts weniger ab.
Zudem geht die Fruchtbarkeit des Bodens verloren, weil der Nährstoffkreislauf gestört ist.
Die Grundwasserneubildung wird durch versiegelte Flächen verhindert, da das Niederschlagswasser nicht versickern kann. Dieses fließt über die Kanalisation in Flüsse, was die Hochwassergefahr begünstigt und die Flüsse mit ungereinigtem Abwasser aus Luft und Land belastet. Des Weiteren steigen die Kosten für Rückhaltebecken und Stauanlagen.
Eine sehr detaillierte Auseinandersetzung mit der Versiegelung in Berlin hat die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt veröffentlicht.

Maßnahmen gegen die Versiegelung

1998 wurde mit der Entsiegelungspflicht nach §5 des Bundesbodenschutzgesetzes (BBodSchG) ein Ausgleich zum Flächenverbrauch geschaffen. Damit sollen nicht mehr genutzte Flächen entsiegelt und so für die natürlichen Bodenfunktionen wiederhergestellt werden. Außerdem existiert ein Niederschlagswasserentgelt für die Entsorgung von Regenwasser, das über bebaute oder versiegelte Flächen in die Kanalisation gelangt, weil dieses Abwasser aufbereitet werden muss.
Durch flächensparendes Bauen, Verdichtung der Städte, Sanieren statt neu bauen, Bündelung von Infrastruktur, Einführung von Flächenzertifikaten, Bereitstellung von Ausgleichsflächen und Wiedernutzbarmachung von nicht mehr genutzten Flächen soll der Flächenverbrauch reduziert werden.

REKLIM fördert die Kommunikation

Der dritte Tag der REKLIM-Konferenz in der Auferstehungskirche Berlin vermittelt und festigt das Gefühl, dass die Klimaforschung noch ganz am Anfang steht – auch wenn das gar nicht der Fall ist. Über das Klima und die Folgen der Erderwärmung wird schon seit über 30 Jahren geforscht. Aber die Fachgebiete liegen zum Teil weit auseinander. Und so wird jeder Redner nach seinem Vortrag mit Fragen aus dem Publikum konfrontiert. Die Antworten machen klar, dass noch viel mehr zusammengearbeitet werden muss. Dank der Premiere der REKLIM-Konferenz kann man hoffen, dass zukünftig qualitativ hochwertige und miteinander verzahnte Forschungsergebnisse zustande kommen. Damit ist die REKLIM-Konferenz 2014 ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung des globalen Umweltschutzes.

Der Weg des Wassers – Über dem Meeresspiegel

Es wurde umfassend über die Forschung des  Wasserkreislaufes über und unter der Erdoberfläche gesprochen. Über der Erdoberfläche verdunstet das Wasser der Seen, Flüsse, feuchter Landgebiete und des Meeres. Es steigt je nach Temperatur langsam oder schnell in die Atmosphäre auf. Dadurch entstehen Regenwolken, die in unterschiedliche Höhen schweben. Weil durch die Temperaturunterschiede andere Windgeschwindigkeiten und Windrichtungen entstehen, werden die Wolken teilweise weit vom Entstehungsort wegtransportiert. Der Anspruch der Forscher besteht darin, zu verstehen, wie dieser Kreislauf funktioniert, um damit eine Vorhersage des Wetters und der Klimaentwicklung  treffen zu können.

Geheime Wasserzirkulation

Unterirdisch werden die Zusammenhänge von Oberflächenwasser und Grundwasser erforscht. Offensichtlich ist das Grundwasser, welches viele hundert Meter unter der Erdoberfläche existiert, mit dem Oberflächenwasser der Meere verbunden. Die Temperaturen der Seen, Flüsse und Meere beeinflussen damit die Temperatur des Grundwassers. Dadurch gleichen sich die Temperaturen an. Klimawandel bedeutet also auch eine Änderung der Erd-Temperatur. Dieses Phänomen wurde in China am Poyang-See festgestellt, dessen Wasserstand zwischen Frühling und Herbst bis zu 20m variiert. Das Wasser des Süßwassersees verdunstet nicht, es versickert im Erdinneren bis zum Grundwasser.

Der Drahtesel als Klimaneutrale Wetterstation

Alle Messungen der Forscher finden immer mit hochempfindlichen Messgeräten statt. Das kann zu Fuß in den Gletscherregionen, in der Luft mit dem Flugzeug, unter der Erde durch Tiefenbohrungen oder durch Tauchgänge im Meer stattfinden. Und das stationär und mobil.

Aber auch unübliche Messwerterfassungen sind manchmal notwendig. In den Niederlanden wurde dafür zum Beispiel eine Mini-Wetterstation an einen Fahrradlenker montiert. Damit wurden Umweltkenndaten mit dem Fahrrad erfasst – das ist einfach und effektiv. Forschung kann und sollte umweltfreundlich geschehen. Wenn diese Erkenntnis angewandt wird, dazu die bisherigen Forschungsergebnisse berücksichtigt werden und zu guter Letzt mit Sorgsamkeit und Intelligenz vorgegangen wird, sollte eine positive Entwicklung der klimatischen Bedingungen auf der Erde möglich werden.


Die fünf Redner des Tages:

  • Stefan Hagemann
  • Kathrin Menberg
  • Sven Wagner
  • Emma Daniels
  • Benjamin Fersch

Renaturalisierung – Back to the Roots  

Durch die Klimaerwärmung ist die weltweite Biodiversität bedroht. Demzufolge muss die zukünftige Nutzung der Graslandfläche und Landwirtschaft abgewägt und neu angepasst werden. Es werden bereits experimentelle Maßnahmen zur Renaturalisierung durchgeführt. Ein Beispiel hierfür ist die Wiederbewässerung von Mooren. Denn Moore dienen als einer der effektivsten CO2-Speicher und können daher eine große Hilfe bei der Kohlendioxid-Reduktion in der Atmosphäre sein. Trockengelegt  stoßen Methan aus und gelten dadurch als natürliche Treibhausgasquellen. Sind Moore in ihrem ursprünglichen Zustand belassen, geben sie weitaus weniger CH4 in die Atmosphäre ab. Um wieder auf diesen niedrigen Ausstoß zu kommen, brauchen renaturalisierte Moore eine lange Zeit.

Dass der Mensch für 50% des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, liegt zum Teil auch an der flächendeckenden Trockenlegung von Mooren zu landwirtschaftlichen Zwecken. Denn bei der Erschließung der Moore werden die Kohlendioxidspeicher zerstört und sämtliche gespeicherten Gase treten aus.

Nicht nur der Mensch beeinflusst das Klima, sondern auch alle anderen Spezies. Dementsprechend müssen sich vor allem die landwirtschaftlichen Systeme sowohl dem Boden, als auch den Mutationen im Pflanzen- und Tierreich anpassen. Es muss eine wechselseitige Reaktion geschehen. Wie der Biologe Martin Schädler sagte: „Function depends on proper interaction“.

Ein Beispiel für Biodiversität sind die Buchenwälder, die sich quer durch Europa ziehen. Sie sind zum einen aufgrund ihres wirtschaftlichen Wertes eine erhaltenswerte Art. Zum anderen nutzen sie der Verlangsamung der Klimaerwärmung durch die Speicherung von Kohlendioxid via Photosynthese. Außerdem entziehen sie dem Boden Nitrate, nutzen diese als Nährstoffe und schützen so das Grundwasser vor Übersäuerung.

Sie werden durch erhöhte Temperaturen und dadurch hervorgerufenen Dürreperioden bedroht. Sollten die Buchenwälder verschwinden, fehlt nicht nur ihre Verwertung klimagefährdenden Stoffen. Zusätzlich wäre die entstehende Brachfläche wegen ihrer flachen Humusschicht nicht für landwirtschaftliche Zwecke nutzbar.

Torsten Sachs / © Nataliya Riedel

Torsten Sachs – Die Wiederbewässerung von Mooren

Torsten Sachs und sein Team am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) erforschen mit verschiedenen Methoden den Treibhausgasaustausch zwischen der Atmosphäre und wiedervernässten Mooren in der Nähe von Rostock und Dargun.

Bereits im 18. Jahrhundert begann man damit, Moorgebiete trockenzulegen, um auf diese Weise fruchtbare Landflächen für den Ackerbau zu gewinnen. Im Laufe der Zeit stellte man jedoch fest, dass die Trockenlegung zu einem erhöhten Ausstoß schädlicher Treibhausgase führt. Mittlerweile weiß man, dass intakte Moorgebiete nicht nur große Mengen von Kohlenstoff in Form von Torf speichern, bei dessen Entstehung der Atmosphäre Treibhausgase entzogen werden, sondern auch eine kühlende Wirkung auf das Klima haben.
Deshalb versucht man nun die trockengelegten Moore wieder mit Wasser zu versorgen. Damit stellt sich eine natürliche Moorvegetation und so auch das Torfwachstum wieder ein. In den ersten Jahren hat dies jedoch den Nachteil, dass durch die Zersetzung von abgestorbenen Pflanzen Methan produziert wird. Methan zählt ebenso wie Kohlendioxid zu den wichtigsten Treibhausgasen.

Bisher ist unklar, wann die Emission von Methan zurückgeht und die CO2-Aufnahme durch die Moore deren Treibhausbilanz wieder dominiert. Auf lange Sicht gesehen, ist das freigesetzte Methan jedoch zu vernachlässigen, da im Vergleich mehr CO2 von den Mooren aufgenommen werden könnten. Dabei würde das freigesetzte Methan nicht ins Gewicht fallen.

Poster-Sessions, Tag 1

Impressionen der Poster-Sessions vom ersten Tag der REKLIM-Konferenz zu folgenden Themen:

  • Regional climate system modelling
  • Sea level changes from global to regional and local scales
  • Arctic Change
  • The land surface in the climate system

Am ersten Tag der REKLIM-Konferenz wurden verschiedene Themenschwerpunkte aus den Bereichen Klimamodellierung, Meeresspiegeländerungen, Veränderungen in der Arktis und über den Einfluss der Landoberfächen im Klimasystem dargestellt. Die Journalismusstudenten der DEKRA Hochschule waren dabei und haben Impressionen von den Poster-Sessions eingefangen.


Team: Sarah Langhoff, Jennifer Quidilnaco, Thomas Rohatzsch


Gemafreie Musik: Cayzland-Music.de

Landwirtschaft und seine Wechselwirkung mit dem Klima

Landwirtschaft ist ein großes Thema, wenn es um den Klimawandel geht. Das Beispiel der polarisierenden Biogasanlagen soll näher veranschaulichen, was für einen Einfluss der Anbau und die Verwertung in der Landwirtschaft auf die Umwelt haben.

Was macht eine Biogasanlage eigentlich?

Die ursprüngliche Idee der Biogasanlage ist es mit nachwachsenden Rohstoffen Biogas und Wärme zu gewinnen.
Der Ablauf sieht folgendermaßen aus: Rohstoffe, wie Gülle, Klärschlamm, Bio-Abfall, Fette und Pflanzen werden in einem luftdichten Behälter vermischt. Dieser Behälter wird durch ein heißes Wasserbad auf eine Idealtemperatur zwischen 37°C und 55°C erhitzt.
Was nun geschieht wird als anaerobe Fermentierung bezeichnet. Das heißt, dass durch die bakterielle Zersetzung der Rohstoffe in einem sauerstoffarmen Raum Biogas entsteht. Der Hauptbestandteil ist das Treibhausgas Methan.

Was passiert mit den Abfällen?

Die Abfälle, die sogenannten Gärreste, können als Düngemittel verwendet werden.Vorteilhaft gegenüber der direkt auf dem Feld verteilten Gülle daran ist, dass diese Reste geruchsneutraler, chemisch weniger aggressiv und reichhaltig an Stickstoff sind. Das ist die Idee einer Biogasanlage. An sich klingt sie sehr nachhaltig und ökologisch sinnvoll. Trotz der hohen Anschaffungskosten gibt es auch reichlich Bauern, die darauf setzen. Grund dafür: Durch die Erneuerbare-Energien-Gesetze (EEG) wird der Bau von Biogasanlagen staatlich subventioniert.

Biogasanlagen als Lösung für das Gülleproblem?

Da die meisten Landwirte in Deutschland mit der Massentierhaltung ihr Hauptgeschäft betreiben, hätten sie reichlich erneuerbaren Rohstoff (in diesem Fall Gülle) zu verwerten. Dieser Rohstoff funktioniert aber nur dann, wenn die Tiere, deren Exkremente verwertet werden sollen, nicht mit Antibiotika behandelt wurden. Grund dafür sind die Bakterienstämme, die für die Fermentierung notwendig, aber von den Antibiotikums-Resten vernichtet werden würden.

Welche Auswirkungen haben Biogasanlagen auf die direkte Umwelt?

Nun will oder kann man einen Mastbetrieb nicht ohne Antibiotika führen. Das hat zur Folge, dass im großen Stil auf sogenannte Energiepflanzen zurückgegriffen wird. Am beliebtesten für die Biogasanlagen ist der Mais. Diese Pflanze wird dementsprechend in Monokulturen gezüchtet. Das bedeutet aber einen radikalen Eingriff in das natürliche Gleichgewicht, weil Monokulturen erstens dem Boden nur einseitig den Nährstoff entziehen und zweitens anfälliger für Schädlinge und Krankheiten sind. Aufgrund dessen werden erhöht Kunstdünger und Pestizide eingesetzt.

Ist Energie wichtiger als Nahrungsmittel?

Zusätzlich zu den ökologischen und gesundheitlichen Konsequenzen, die solche biogasanlagen mit sich bringen, gibt es auch noch einen ökonomischen Aspekt: 17% der 12 Mio. Hektar Ackerfläche in Deutschland werden nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion genutzt. Das bedeutet, dass die Energiepflanze die Nahrungspflanze durch Nutzungskonkurrenz bedroht. Weltweit führt das zu Trinkwasser- und Nahrungsmittelknappheit.

Quelle: http://pixabay.com/de/dach-garten-pflanzen-b%C3%A4ume-blumen-55208/

Umweltfreundliches Bauen: Was macht ein nachhaltiges Gebäude aus?

ralph-badenRalph Baden ist ein luxemburgischer Baubiologe und Buchautor. Seit 1997 führte der diplomierte Biologe und Baubiologe in über 2500 Wohnungen Schadstoffmessungen zum Schutz der Bewohner durch. Ralph Baden ist außerdem Forschungsmitglied der World Health Organisation WHO und Vizepräsident der Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie AKUT. Als Experte für Umwelt und Gesundheit gehört er zudem zu den regelmäßigen Gästen des Europarates in Straßburg und Mitentwickler des „Leitfadens für nachhaltiges Bauen und Renovieren“. Sein 2009 erschienenes Buch Biologie am Bau erklärt gesundheitsfördernde, aber auch ökologische und nachhaltige Bauweisen im Detail.

Im Interview mit Rebecca Baden als Redakteurin für den REKLIM-Blog erklärt Ralph Baden, warum umweltfreundliche Gebäude nicht immer baubiologisch einwandfrei sind – und was ein grünes Haus eigentlich ausmacht.

 

 

Grünes Bauen für Anfänger: Der Unterschied zwischen Ökologie und Baubiologie

Umweltschutz und Nachhaltigkeit betreffen in großen Maßen die Bauten um uns. Ab wann aber gilt ein Gebäude als umweltfreundlich?

Umweltfreundlich oder nachhaltig ist ein sehr breitgefächerter Begriff. „Ökologisch“ beschreibt unter anderem recycelbare Baumaterialien oder energieeffiziente Gebäude. Aber auch ressourcenschonende Techniken wie Solaranlagen und Regenwassersammelanlagen, ein Grasdach oder Biotope für Insekten tragen zum Schutz der Umwelt bei.

Umweltfreundlich meint im weitesten Sinne aber auch die Gesundheit der Hausbewohner selbst: Schadstoffemissionen von Baumaterialien und elektromagnetische Belastungen durch Elektronik können auch dem Bewohner schaden.

 

Ist der Bau eines umweltfreundlichen Hauses automatisch mit Mehrkosten verbunden?

Natürlich sind energiesparende Installationen wie Regenwasseranlagen oder Solaranlagen zusätzlich zu einer klassischen Wasser- oder Heizinstallation mit Mehrkosten verbunden. Allerdings werden dadurch auch laufende Energie- oder Wasserkosten eingespart, was die anfänglichen Ausgaben ausgleicht. Bei den ökologischen Rohstoffen hängt der Preis letztendlich von der Nachfrage ab. Wenn die Nachfrage steigt, werden die entsprechenden Materialen in größeren Stückzahlen produziert – der Preis sinkt.

 

Wie kann man ein bestehendes Haus – innen und außen – ökologischer gestalten?

Ökologische Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele. Naturnahe Gärten, grüne Fassaden und sogar Balkonpflanzen bieten Insekten und Vögeln ausgezeichnete Nahrungs- und Unterschlupfmöglichkeiten.

Im Wohnbereich eignen sich naturnahe und ungiftige Baumaterialien aus erneuerbaren Rohstoffen (am besten regional) für eine umweltfreundliche Gestaltung – auch wenn sie erst bei der nächsten Renovierung zum Einsatz kommen. Einen großen Spielraum bieten viele bestehende Häuser auch in Bezug auf Energieoptimierung. Zusätzliche Wärmedämmmaßnahmen oder der Wechsel zu erneuerbaren Energien schützen die Natur und den Geldbeutel.

Quelle: http://pixabay.com/de/alternative-blau-zelle-sauber-eco-21581/

 

A propos Häuser innen ökologisch gestalten – ein großes Problem stellt heutzutage der sogenannte Elektromüll dar. Wie kann man dem am besten entgegenwirken?

Ein Entgegenwirken des Elektromülls geht in erster Linie über die Vermeidung. Sprich: Dementsprechende Geräte gar nicht erst anschaffen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, bestimmen Elektronikgeräte doch den modernen Alltag.  Die Elektromüllvermeidung geht demnach über die Entscheidung, ob besagte Geräte wirklich notwendig sind. Brauche ich in jedem Zimmer ein Fernsehgerät oder eine Musikanlage? Auch die Langlebigkeit der Geräte spielt natürlich eine Rolle. Je langlebiger ein Gerät ist, desto weniger schnell und weniger oft muss es ersetzt werden.

 

Auch viele ökologische Zusätze (z.B. Solar Panels) gelten als Elektromüll – und enthalten zudem Gifte wie Cadmium. Bedeutet das etwa, dass umweltfreundliche Häuser ungesund für den Bewohner sind?

Solarpanels werden außerhalb des Gebäudes eingesetzt und haben demnach keinen Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner. Die enthaltenen Gifte spielen lediglich bei einer nicht fachgerechten Entsorgung eine Rolle. Demnach sind umweltfreundliche Häuser a priori nicht ungesunder als konventionelle Bauten.

 

Sie haben in Ihrem Buch (Biologie am Bau) geschrieben, dass ökologische Bauten nicht immer gesundheitlich unbedenklich sind. Inwiefern zeichnet sich das aus?

Ökologie und Gesundheit oder Baubiologie sind zwei unabhängig voneinander bestehende Eigenschaften eines Gebäudes. Die Praxis zeigt, dass verschiedene ökologische Häuser, ebenso wie klassische Gebäude, durch chemische Schadstoffe, Wärmebrücken-bedingten Schimmelpilzbefall oder Elektrosmog gesundheitlich bedenklich sind. Durch adäquate Planung  und die richtige Wahl der Baumaterialien können Risiken vermieden oder sehr stark reduziert werden.

 

Immer mehr Städte konzentrieren sich auf eine grüne Entwicklungspolitik, ergo mehr Grünflächen. Wie sieht es mit umweltfreundlichen Bauprojekten aus?

Diese Grünflächen dienen in erster Linie der Naherholung der Bewohner. In Großstädten bilden diese Grünflächen auch Inselbiotope und demnach eine Biotopvernetzung für Tiere. In übermäßig verbauten Großstädten können auch Grasdächer oder Gärten solche Biotope darstellen. Dementsprechend wird bei vielen größeren Bauprojekten solchen Überlegungen Rechnung getragen, bei einzelnen Häusern ist das natürlich viel schwieriger.