International Conference

OUR CLIMATE2014

Regional perspectives on a global challenge

OUR FUTURE

Studentisches Medienprojekt zur Internationalen REKLIM Konferenz

6 - 9  Oktober 2014  Berlin

Southern Ocean

Eisgang und Warmwasserströmung: Wie der Klimawandel auf das Schelfeis wirkt

Schmelzendes Schelfeis trägt maßgeblich zur Erhöhung des Meeresspiegels bei. Während der Wasserpegel aber primär durch tauende Gletscher und abbrechende Eisplatten steigt, ist auch das Eisschelf selbst sichtbaren Veränderungen ausgesetzt – ausgehend von zirkumpolaren Warmwasserströmen und Zuflüssen aus dem südlichen Ozean.

In seinem Vortrag über das gemeinsame Wirken von ozeanischen Wasserkreisläufen und lokalen Bewegungen innerhalb der antarktischen Platte konzentriert sich Sebastian Goeller verstärkt auf das Filchner-Ronne Schelfeis. Der Geowissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts definiert die Folgen der Klimaveränderungen innerhalb der Schelfeisplatte – beziehungsweise unterhalb. Schließlich zeichnet sich die prägnanteste Konsequenz durch Warmwasserzuflüsse in das Bassin unterhalb der Platte aus – und wird somit Hauptgrund für das Schmelzen und Kalben derselben.

Die Folgen des warmen Wassers: Was ist da los im Schelfeis?

Zusammenfassend lässt sich der klimatische Einfluss auf die antarktische Platte wohl als ein  Wechselspiel bezeichnen: Der Wandel im Schelfeis wirkt sich zwar auf den Meerwasserspiegel aus, umgedreht haben aber auch durch den Klimawandel umgeleitete Strömungen ihre Bedeutsamkeit in der weiteren Entwicklung der Schelfeisplatten.
Der Zufluss der Warmwasserflüsse bringt die Platten dabei nicht nur stellenweise zum Auftauen – die allgemeine Dicke des Schelfeises nimmt kontinuierlich ab. So zieht sich auch die Aufsetzlinie – also die Grenze, an der das Festlandeis in schwebendes Schelfeis übergeht – weiterhin zurück.
Die Konsequenz sind weitere Übergänge im Massenhaushalt – und früher oder später weitere Erhöhungen des Meeresspiegels.

Die bis zu 1000 Meter dicke Filchner-Ronne Platte dämmt den Eisgang und verhindert, dass eisige Wassermassen aus dem Gletschertal ins Meer fließen. Da das Schelfeis vor allem von unten schmilzt, wird die Platte stetig dünner. Folge dessen kann ein komplettes Abbrechen der Platte sein. Nun gilt es, die Spannungen und Strömungsschwankungen in den Bassins unterhalb der Platten zu regulieren – um Eis- und Warmwasserflüsse auch zukünftig besser einzudämmen.



Mein Klima – dein Klima: Warum wir den Klimawandel alle unterschiedlich verstehen

Der Klimawandel ist eine weltweite Angelegenheit – möchte man meinen. Dass Klimaveränderungen auf regionaler und lokaler Basis unterschiedliche Auswirkungen haben, demonstrieren die wissenschaftlichen Vorträge der Reklim-Konferenz.

Doch auch sonst wird das Klima mit seinen gegenwärtigen und zukünftigen Folgen überall unterschiedlich verarbeitet – vor allem aber in unseren Köpfen und Emotionen.

Was bedeutet Klimawandel für dich?, Mit dieser scheinbar einfachen Frage erforscht Dr. Martin Döring die regionale Auffassung von klimatischen Veränderungen – und macht deutlich, wodurch der persönliche Standpunkt zur ökologischen Aktualität maßgeblich beeinflusst wird.

„Reden wir gerade über mein Klima?“ – Klimaverständnis, Emotionen und unser Vertrauen in die Politik

_DSC0032_phDie individuelle Ansicht und die gesellschaftliche Meinung sind wichtige Indikatoren für die Verbesserung und Adaption neuer Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Schließlich bildet die Menschheit mit ihrem Konsum und ihrer Nachlässigkeit einen nicht unerheblichen Faktor in der Verursachung klimatischer Wandel.

Da soziale Konzeptionen aber offensichtlich kultur- oder gar ortsabhängig sind, unterstreicht Dr. Döring die Relevanz einer regional organisierten Analyse. So fürchten sich beispielsweise die Bewohner Nordfrieslands – basierend auf persönlichen Erfahrungen und Emotionen – besonders vor Sturmfluten, Stürmen und Hochwasser.
Entscheidende, teilweise kuriose, Unterschiede zeigen sich aber auch im Verständnis der Klimaveränderungen: Der Klimawandel tritt hier als Gesellschafts-Gegner, als Zeitungsente oder gar als Gottesstrafe oder ökodiktatorisches Konstrukt auf. Vor allem Letzteres mag absurd klingen – tatsächlich zeichnet sich durch diese Ansicht aber ein fundamentales Missvertrauen in Politik und Wissenschaft aus.

Beeinflusst und verstärkt wird die öffentliche Meinung womöglich durch die vermehrt negative, mediale Berichterstattung. Sicher erscheint laut Dr. Döring aber vor allem die falsche, global orientierte wissenschaftliche Herangehensweise an das regionale Klimaverständnis. Diese lasse sich durch vermehrte regional bezogene Studien schnell korrigieren. So entstünde aus der Gottesfurcht und öko-politischen Resistenz vielleicht demnächst doch ein einheitlicheres, klimatisches Verständnis – der Wissenschaft sei Dank.

Nordseeküste Strand

Klimaveränderung auf regionaler Basis: Nordseeküste in Gefahr

Der Anstieg des Meeresspiegels stellt eine besondere Gefahr für tiefliegende Küsten dar. Ralf Weisse vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht konzentriert sich in seiner Forschungsarbeit essenziell auf die deutsche Nordseeküste- und macht deutlich, mit welchen Maßnahmen die Küste vor Klimaveränderungen geschützt werden kann.

Die Ursachen der Meeresspiegeländerung wurden im Auftakt der REKLIM-Konferenz bereits ausführlich konkretisiert. Nun gilt es, die Auswirkungen des Klimawandels auf regionaler Basis zu erläutern: Sturmfluten, windgetriebene Wellen und starke Tidenströme sind Teil der extremen Wasserpegelveränderungen und Wetterereignisse an der Nordseeküste.

Eine Gefahr geht dabei nicht nur für das Klima in der Küstenregion aus: Neben einer erhöhten Sturmbildung ist auch mit Einschränkungen für Landwirtschaft und Bevölkerung zu rechnen.

Nordseeküste Strand

Küstenschutz und Hochwasservorsorge an der Elbe

Um die Nordseeküste vor klimatischen Veränderungen und extremen Wetterereignissen zu schützen, wurden bereits mehrere technische Maßnahmen entwickelt und verwirklicht. Die Erhöhung von Deichen und der Ausbau von Küstenschutzbauwerken gehen einher mit der Errichtung eines Sturmflutschutzes.

Nicht unbedingt sichtbar, aber ein umso größerer Effekt: Eine neuere Technik zum Küstenschutz – vor allem aber auch Utensil für zahlreiche Untersuchungen und Verbesserungsmethoden – sind schließlich die künstlich errichteten Sandbänke und Sandinseln.
Der Fokus dieser ausgetüftelten Baumaßnahmen liegt dabei nicht nur auf dem Schutz vor Sturmfluten. Die künstlich aufgeschütteten Sandhaufen unter Wasser erleichtern zudem Untersuchungen zu Seegang, Strömung und Wasserständen – und bilden somit nicht zuletzt ein ausgezeichnetes Seegangvorhersagemodell.

Dass in naher Zukunft weitere technische Installationen an der Nordseeküste zum Einsatz kommen, steht außer Frage. Zumindest, wenn es nach Ralf Weisse geht. Er spricht sich für die hydrodynamischen Modelle aus – nicht zuletzt aber für eine breitere Erfassung der klimatischen Veränderungen im ökologischen und sozialen Kontext.

Quelle: pixabay.de

Die Veränderung des Meeresspiegels: Sterische und eustatische Effekte

Dass der Meeresspiegel stetig steigt, ist den meisten Menschen bekannt. Was aber sind die genauen Ursachen für den Wandel in den hiesigen Ozeanen? Und – viel wichtiger – zeichnen sich diese Gründe überhaupt überall in gleicher Weise aus? Die Klimaforscher der Uni Bonn und des Institutes der Uni Siegen für Wasser und Umwelt gingen diesen Fragen heute genau auf den Grund.

Schmelzende Gletscher, schwindende Eisschollen und der Wasserwechsel zwischen Meeres- und Festlandgewässern – das alles umfasst der eustatische Aspekt des klimmenden Meeresspiegels. Merkbare Veränderungen provozieren allerdings auch Temperatur- und der Salzgehaltschwankungen im Meer. Man spricht in der Fachsprache von einem sterischen Wechsel.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Die sterischen Effekte verursachen eine weitere Ausdehnung des bereits existierenden Wassers. Die eustatischen Effekte, also primär Schmelzwasser durch Gletscher, sind dabei für einen zusätzlichen Wasserzufluss verantwortlich.

Prognosen, bevorstehende Meeresspiegeländerungen – und ein regionales Analysemodell

Ob eustatisch oder sterisch: Die Dichte des Meerwassers ist einem merkbaren Wandel ausgesetzt. Auch zukünftig wird der Wasserpegel weiter steigen. Mit welchen Veränderungen genau zu rechnen ist, kann derzeit nicht vorhergesagt werden – ein genauer Trend macht sich nämlich noch nicht bemerkbar. Mit welcher Geschwindigkeit die Gletscher schmelzen und inwiefern die Eisschilde zum eustatischen Wandel beitragen, bleibt erstmal unklar.
Klar ist aber: Während aktuell eine durchschnittliche Erhöhung von etwa 3 mm pro Jahr beobachtet wird, weitet sich der Meeresspiegelanstieg in nächster Zeit auf mehr als einen Zentimeter jährlich aus – also mehr als doppelt so viel wie bisher!

Auch wenn die Prognosen und Trends für die nächsten Jahre undeutlich ausfallen: Einig werden sich die Forscher in einem Punkt auf jeden Fall. Die globalen Veränderungen haben nicht auf alle Ozeane die gleiche Auswirkung.
Nun gilt es, die globalen Analysemodelle auszuweiten – und mit regionalen Beobachtungsmethoden zu koppeln. Die weltweit applizierbaren Schemas (wie etwa die Forschungsergebnisse aus dem GRACE-Satelliten werden regional angewendet und dort mit weiteren Daten erweitert.
Ziel sind eine nahtlose Kombination, eine bessere Erfassung und die Erstellung von Trends für die Zukunft – weitläufig aber vor allem ein optimaler Umgang für alle bevorstehenden Veränderungen des Meeresspiegels.

Quelle: epsos.de

Verschmutzung der Meere: (Plastik-) Land in Sicht!

Mehr als die Hälfte unserer Erde besteht aus Wasser. Ganze 70% der Erdoberfläche nehmen Seen, Flüsse und Ozeane ein. Umso trauriger ist die Art, wie der Mensch mit seiner weltvollsten Ressource umgeht: Treibendes Müll, Überdüngung, Schadstoffe und Ölteppiche belasten die maritime Umwelt.

Das Müllproblem hat längst auf die Gewässer dieser Erde übergegriffen – Müllstrände, gefährdete Tierarten und letztlich auch die akute Schädigung der Menschen sind die Folgen des unsachlichen Umgangs mit Abfällen. Wie der Müll seinen Weg zurück in die Nahrungskette schafft, und mit welchen Mitteln ein 20-jähriger Niederländer die Weltmeere vorerst retten will.

Müllstrudel im Nordpazifik – der achte Kontinent

Nicht schlecht staunte ein Forscher, als er sich im nördlichen Pazifik inmitten einer gigantischen Müllinsel befand. Es stellte sich heraus: Der Müllstrudel umfasst mittlerweile die Fläche Mitteleuropas und sammelt durch Strömungen die Abfälle des gesamten Ozeans. In wissenschaftlichen Kreisen spricht man bereits von einem achten Kontinent, der zwischen Amerika und Asien munter sein rotierendes Unwesen treibt.

Dabei sieht das Schlachtfeld in Form eines Müllbergs nicht nur unästhetisch aus:  Meerestiere verfangen sich in Angelschnüren, verschlucken Plastikteile und verwechseln Mikro-Plastikpartikel mit winzigem Plankton.
So gelangen die Giftstoffe letztendlich auch zurück in die menschliche Nahrungskette: 75% des Meeresmülls bestehen aus Plastik. Dieser braucht circa 450 Jahre, um sich in maritimer Umgebung zu zersetzen. Die Mikropartikel, die übrig bleiben, schweben allerdings weiterhin in den Meeren dieser Welt umher – bis sie schließlich an Stränden oder in Fischbäuchen landen.
Dort setzen sich fettlösliche Schadstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel frei, und geraten bei der Nahrungsaufnahme direkt  in den menschlichen Organismus. „Solche Umweltgifte können wie Hormone wirken, krebserregend sein und die Fruchtbarkeit schädigen.“, warnt Stephan Lutter, WWF-Experte für Meeresschutz.

Lösungen für das Müllproblem und Umweltpionier Boyan Slat

Das Müllproblem entwickelt sich besonders für kommende Generationen zu einer bedrohlichen Schwierigkeit. Umso beispielhafter wirkt daher das Exempel, das der 20-jährige Boyan Slat statuiert. Der Niederländer entwickelte zusammen mit seinem Team das vielversprechende The Ocean Cleanup-Projekt. Eine gigantische Installation, bestehend aus zwei 50 Kilometer langen Fangarmen, Auffangbehältern und Filtern soll die Strömung im Nordpazifik  unterbrechen und so treibendes Müllgut aufspeichern.

Auch hier in Deutschland haben Forscher der Meeresverschmutzung den Kampf angesagt. Der One Earth – One Ocean e.V. tritt dem ozeanischen Müllproblem mit zahlreichen Projekten entgegen – unter anderem der Forschungs- und Reinigungsstation „Seekuh“, die ab 2015 im Mittelmeer zum Einsatz kommen wird.

Wer dagegen selbst anpacken möchte, sollte nicht nur fleißig spenden und aktiv Verpackungen reduzieren, sondern auch am International Coastal Cleanup-Day teilnehmen. Am dritten Samstag eines jeden Septembers versammeln sich Umweltpioniere aus über 92 verschiedenen Ländern und säubern gemeinsam ihre Küsten. Allein in Deutschland befreiten die Aktivisten 2013 die Küsten von etwa 600 Kilogramm Müll. Weltweit belief die Zahl der eingesammelten Müllberge auf mehr als 5000 Tonnen (!) – darunter Brautkleider, Babyzubehör und Möbel.

Zurück bleiben Millionen von Plastikpartikeln, treibendem Müll und nicht zuletzt eine Vielzahl an Müllinseln wie dem Nordpazifik-Strudel. Eine endgültige Lösung für die Befreiung der Meere vom Abfall gibt es nicht – und doch besteht die Hoffnung, dass sich bald etwas ändern wird. Der Anfang ist schließlich gemacht.

 

Quelle: http://pixabay.com/de/dach-garten-pflanzen-b%C3%A4ume-blumen-55208/

Umweltfreundliches Bauen: Was macht ein nachhaltiges Gebäude aus?

ralph-badenRalph Baden ist ein luxemburgischer Baubiologe und Buchautor. Seit 1997 führte der diplomierte Biologe und Baubiologe in über 2500 Wohnungen Schadstoffmessungen zum Schutz der Bewohner durch. Ralph Baden ist außerdem Forschungsmitglied der World Health Organisation WHO und Vizepräsident der Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie AKUT. Als Experte für Umwelt und Gesundheit gehört er zudem zu den regelmäßigen Gästen des Europarates in Straßburg und Mitentwickler des „Leitfadens für nachhaltiges Bauen und Renovieren“. Sein 2009 erschienenes Buch Biologie am Bau erklärt gesundheitsfördernde, aber auch ökologische und nachhaltige Bauweisen im Detail.

Im Interview mit Rebecca Baden als Redakteurin für den REKLIM-Blog erklärt Ralph Baden, warum umweltfreundliche Gebäude nicht immer baubiologisch einwandfrei sind – und was ein grünes Haus eigentlich ausmacht.

 

 

Grünes Bauen für Anfänger: Der Unterschied zwischen Ökologie und Baubiologie

Umweltschutz und Nachhaltigkeit betreffen in großen Maßen die Bauten um uns. Ab wann aber gilt ein Gebäude als umweltfreundlich?

Umweltfreundlich oder nachhaltig ist ein sehr breitgefächerter Begriff. „Ökologisch“ beschreibt unter anderem recycelbare Baumaterialien oder energieeffiziente Gebäude. Aber auch ressourcenschonende Techniken wie Solaranlagen und Regenwassersammelanlagen, ein Grasdach oder Biotope für Insekten tragen zum Schutz der Umwelt bei.

Umweltfreundlich meint im weitesten Sinne aber auch die Gesundheit der Hausbewohner selbst: Schadstoffemissionen von Baumaterialien und elektromagnetische Belastungen durch Elektronik können auch dem Bewohner schaden.

 

Ist der Bau eines umweltfreundlichen Hauses automatisch mit Mehrkosten verbunden?

Natürlich sind energiesparende Installationen wie Regenwasseranlagen oder Solaranlagen zusätzlich zu einer klassischen Wasser- oder Heizinstallation mit Mehrkosten verbunden. Allerdings werden dadurch auch laufende Energie- oder Wasserkosten eingespart, was die anfänglichen Ausgaben ausgleicht. Bei den ökologischen Rohstoffen hängt der Preis letztendlich von der Nachfrage ab. Wenn die Nachfrage steigt, werden die entsprechenden Materialen in größeren Stückzahlen produziert – der Preis sinkt.

 

Wie kann man ein bestehendes Haus – innen und außen – ökologischer gestalten?

Ökologische Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele. Naturnahe Gärten, grüne Fassaden und sogar Balkonpflanzen bieten Insekten und Vögeln ausgezeichnete Nahrungs- und Unterschlupfmöglichkeiten.

Im Wohnbereich eignen sich naturnahe und ungiftige Baumaterialien aus erneuerbaren Rohstoffen (am besten regional) für eine umweltfreundliche Gestaltung – auch wenn sie erst bei der nächsten Renovierung zum Einsatz kommen. Einen großen Spielraum bieten viele bestehende Häuser auch in Bezug auf Energieoptimierung. Zusätzliche Wärmedämmmaßnahmen oder der Wechsel zu erneuerbaren Energien schützen die Natur und den Geldbeutel.

Quelle: http://pixabay.com/de/alternative-blau-zelle-sauber-eco-21581/

 

A propos Häuser innen ökologisch gestalten – ein großes Problem stellt heutzutage der sogenannte Elektromüll dar. Wie kann man dem am besten entgegenwirken?

Ein Entgegenwirken des Elektromülls geht in erster Linie über die Vermeidung. Sprich: Dementsprechende Geräte gar nicht erst anschaffen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, bestimmen Elektronikgeräte doch den modernen Alltag.  Die Elektromüllvermeidung geht demnach über die Entscheidung, ob besagte Geräte wirklich notwendig sind. Brauche ich in jedem Zimmer ein Fernsehgerät oder eine Musikanlage? Auch die Langlebigkeit der Geräte spielt natürlich eine Rolle. Je langlebiger ein Gerät ist, desto weniger schnell und weniger oft muss es ersetzt werden.

 

Auch viele ökologische Zusätze (z.B. Solar Panels) gelten als Elektromüll – und enthalten zudem Gifte wie Cadmium. Bedeutet das etwa, dass umweltfreundliche Häuser ungesund für den Bewohner sind?

Solarpanels werden außerhalb des Gebäudes eingesetzt und haben demnach keinen Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner. Die enthaltenen Gifte spielen lediglich bei einer nicht fachgerechten Entsorgung eine Rolle. Demnach sind umweltfreundliche Häuser a priori nicht ungesunder als konventionelle Bauten.

 

Sie haben in Ihrem Buch (Biologie am Bau) geschrieben, dass ökologische Bauten nicht immer gesundheitlich unbedenklich sind. Inwiefern zeichnet sich das aus?

Ökologie und Gesundheit oder Baubiologie sind zwei unabhängig voneinander bestehende Eigenschaften eines Gebäudes. Die Praxis zeigt, dass verschiedene ökologische Häuser, ebenso wie klassische Gebäude, durch chemische Schadstoffe, Wärmebrücken-bedingten Schimmelpilzbefall oder Elektrosmog gesundheitlich bedenklich sind. Durch adäquate Planung  und die richtige Wahl der Baumaterialien können Risiken vermieden oder sehr stark reduziert werden.

 

Immer mehr Städte konzentrieren sich auf eine grüne Entwicklungspolitik, ergo mehr Grünflächen. Wie sieht es mit umweltfreundlichen Bauprojekten aus?

Diese Grünflächen dienen in erster Linie der Naherholung der Bewohner. In Großstädten bilden diese Grünflächen auch Inselbiotope und demnach eine Biotopvernetzung für Tiere. In übermäßig verbauten Großstädten können auch Grasdächer oder Gärten solche Biotope darstellen. Dementsprechend wird bei vielen größeren Bauprojekten solchen Überlegungen Rechnung getragen, bei einzelnen Häusern ist das natürlich viel schwieriger.

Quelle: www.epsos.de

Der ewige Zyklus der Plastiktüte – Alles nur Müll?

Müll_01Jeder Mensch macht Müll. Der eine mehr, der andere weniger. Den einen kümmert’s, den anderen nicht. So produziert der deutsche Bürger im Durchschnitt fast eine halbe Tonne Abfall im Jahr.  Das macht über 400 Tonnen Müll für ganz Deutschland und entspricht in etwa dem Gewicht von 66 Millionen Elefanten.

Klappe zu, Müll weg – So einfach ist es in der Realität leider nicht. Mit der Abholung des Hausmülls durch die lokale Müllabfuhr beginnt in vielen Fällen eine regelrechte Odyssee durch die Zyklen der Natur.
Wohl praktisch erscheinen die temporären Lösungen von Müllverbrennungsanlagen und Mülldeponien. Dass die verunreinigten Abwasser und Dämpfe der Müllberge ihren Weg zurück in die Natur und somit in die Umwelt finden, bleibt allerdings nicht ohne Folgen. Die globale Verschmutzung ist verantwortlich für Klimaveränderungen, Bodenerosionen und übersäuerte Ozeane. So berührt das Müllproblem alle Bewohner der Erde – und führt unmittelbar zurück zu seinem Erzeuger.

Verbrennungsanlangen, Deponien und Elektromüll : Wohin mit dem Abfall?

Möglichkeiten, sich der Müllberge zu entledigen, gibt es viele.  Das Müllproblem gibt es nämlich nicht erst seit gestern. Im Gegenteil: Bereits nach dem 18. Jahrhundert mit seinen wütenden Pestepidemien kümmerte man sich um den stinkenden Abfall in den Straßen.

Die erste Müllverbrennungsanlage wurde schon 1862 eröffnet. Eine gute Lösung, wenn man es mit dem Umweltschutz nicht so genau nimmt: Forschungsergebnisse der Greenpeace aus dem Jahre 2001 verdeutlichen die enorme Umweltbelastung durch Treibhausgase und krebserzeugende Giftstoffe, die in die Atmosphäre dampfen. Auch Mülldeponien setzen dem Müllproblem kein wirkliches Ende. Moderne Deponien haben sich optimale Verdichtungsmethoden und den Schutz des Grundwassers zum Ziel gemacht. Trotzdem waren die Hälfte aller deutschen Mülldeponien 2005 noch dem alten System verschrieben: Schmutzige Abwässer und Giftstoffe der gesammelten Abfälle sickern dort munter in den Boden – und ab in die Umwelt.

Ein ernstes Problem stellt auch der Sondermüll dar: Smartphones, Computer und Handys werden meist nach kurzer Lebensdauer verschrottet. Zurück bleibt Elektromüll – giftige und synthetische Stoffe, die nicht nur die Natur, sondern auch den Menschen bedrohen. 100‘000 Tonnen Elektromüll hinterlässt unsere Gesellschaft. Dieser landet allerdings nicht auf den hiesigen Deponien, sondern wird nach Afrika abtransportiert: Dort graben kleine Kinder nach verwertbaren Resten und erleiden tödliche Krankheiten und Vergiftungen – und das alles durch unseren Müll.

Müll_02Der neue Umgang mit Ressourcen – Wundermittel Recycling?

Nach einer Lösung für das Müllproblem wird derzeit fieberhaft gesucht. Immer mehr Menschen überdenken ihr Konsumverhalten und schwören auf Recycling, Upcycling und vermeiden Abfall, wo es nur geht.
Schuld an dem übermäßigen Müll ist vor allem übermäßiger Konsum. Das macht die Umweltbelastung gerade in den modernen Gesellschaften umso schwerwiegender. Würden alle Kulturen so leben, wie wir es in Deutschland tun, bräuchten wir 2,5 Erden, um alle Menschen mit Ressourcen zu versorgen.

A propos Ressourcen: Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, an dem wir Erdlinge unser Jahresbudget an erneuerbaren Ressourcen verbraucht haben. 1987 war das der 19. Dezember. Unseren Earth Overshoot Day haben wir allerdings schon am 19. August „zelebrieren“ dürfen. Alle Ressourcen, die wir fortan verwenden, stehen uns laut Rechnung nicht zu. Die Erde hat keine Möglichkeit, sich zu erholen und neue Rohstoffe zu produzieren.

Verbesserungsvorschläge der katastrophalen Situation gibt es viele. Die Nutzung sekundärer Rohstoffe aus Resten, ökologische Verwertung von Abfällen und Recyclingmaßnahmen sind nur einige davon. Eine dauerhafte Veränderung entsteht allerdings in viel kleineren Räumen: Den Köpfen der Verbraucher. Nach dem Motto: Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit kann jeder Einzelne sein Konsumverhalten revolutionieren – und anfangen, die Erde zu retten.